Karolin Reinhold

La Malinche – Hurenmutter der Nation

„To put it in most base terms: Malintzin, also called Malinche, fucked the white men who conquered the Indian peoples of México and destroyed their culture“(Moraga 1983:90). Was die Feministin Cherríe Moraga hier so schön pointiert formulierte, bezeichnet tatsächlich die lange vorherrschende Meinung zu einer der bekanntesten Frauenfiguren der mexikanischen Geschichte. Die von den Spanier_innen u.a. La Malinche oder Doña Marina genannte (ihre indigenen Namen lauten Malinalli-Tenepal oder Malintzin) ist in dem Zusammenspiel ihrer Rollen als indígena1, Sklavin, Übersetzerin, Verräterin, Mutter, Hure allen Mexikaner_innen ein Begriff. Von der historischen Person ist wenig bekannt, doch ist sie wiederholt Thema zahlreicher Bearbeitungen in Geschichtsschreibung und Literatur. Als gesichert gilt, dass sie als Teil einer Gruppe Frauen oder Mädchen im April 1519 in Tabasco Hernán Cortés, einem spanischen Konquistador, der 1521 das Aztekenreich eroberte, und seinen Soldaten übergeben wurde und von einem spanischen Priester auf den Namen Marina getauft wurde. Cortés und Malinche hatten eine sexuelle Beziehung aus welcher Martín Cortés hervorging, später wurde sie mit dem Konquistador Juan Xaramillo verheiratet und hatte auch mit diesem ein Kind, eine Tochter. Nach 1526 verliert sich ihre Spur.2

La lengua – die Stimme

La Malinches Wirken als Übersetzerin für die Eroberer ist die „Schlüsselfunktion“ ihrer Person und bedingt die daraus folgenden Diskurse. Ihre Kenntnis der Maya- und Nahuatl-Sprache, und der Umstand, dass sie das Kastilische rasch erlernte, machte sie zur lengua - zur Zunge, zur Sprache. So trat La Malinche aus der Masse der Sklav_innen heraus. Ihre über die bloße Übersetzertätigkeit hinausgehende Bedeutung als faraute (vom französischen herault) – Kundschafterin, Interpretin, die Fähigkeit die Verbindung zwischen zwei Kulturen herstellen zu können – ist einzigartig in der Geschichte der Eroberung Amerikas, in welcher Frauen als Teil der Kriegsbeute lediglich Versorgerinnenfunktionen innehatten, welche die Bedürfnisse der Soldaten bedienten: Essen und Sex. Frauen standen generell den jeweiligen Siegern der Konflikte einfach zur Verfügung und so wurden die Indígenas als Teil der Kriegsbeute von den Spaniern bis 1532 gemäß ihres reinen Objektstatus als piezas, Stücke, im reinsten Wortsinne gebrandmarkt. La Malinche hingegen wird auf Kodizes, Bilderhandschriften wie dem Lienzo de Tlaxalca, zentral gezeigt und in den spanischen Berichten als ehrbare Dame – Doña – oder Señora Marina bezeichnet und der Name auf Cortés übertragen, der Capitán Malinche genannt wurde (vgl. Díaz del Castillo: 193f). Es scheint, als habe die Sklavin durch ihre Lengua Subjektstatus erhalten, wobei nicht vergessen werden darf, dass sie schon vor ihrer „Übereignung“ an die Spanier unfrei war und sozusagen weiter verschenkt wurde.3 Doch ihre Stimme ist nicht unabhängig, ihr Körper nicht selbstbestimmt, denn Cortés äußert sich durch sie hindurch. Die Lengua, ihre Zunge, ist entäußert und steht als pars pro toto – ihr Körper wird so als Gefäß, als Kommunikationsmittel benutzt. Dies unterstreicht auch ihre Wiedergabe in der indirekten Rede in der Chronik Bernal Díaz del Castillos.

La madre chingada – Die mexikanische Eva

Ihre Rolle als Traductora wandelt sich in eine Traditora – von der Übersetzerin zur Verräterin – in den Diskursen um die Unabhängigkeit Mexikos. Ein historischer Ausgangspunkt ist die von den Chronisten beschriebene Denunziation der Verschwörung von Cholula 1519 durch Malinche, die mit einem Massaker an den Einwohner_innen endete.4 Von Moctezuma initiiert sollte diese zum Ziel haben, die Eroberer des Nachts in Cholula, dem zentralen Heiligtum des Gottes Quetzalcoatl, zu überfallen. Malinche soll durch eine alte Frau von dem Plan erfahren haben und denunzierte das Vorhaben. Mit dem Gebären ihres Sohnes, des symbolisch ersten „Mestizen“ beginnt der „mexikanische Ödipuskomplex“. Der Begriff „Mestize/Mestizin“ ist rassischen Ursprungs und bezeichnet Menschen, bei denen ein Elternteil „europäischer“ und der andere „indianischer“ Herkunft war. Die so genannten „Mestizen“ stellen in den meisten süd- und mittelamerikanischen Ländern die Bevölkerungsmehrheit oder einen großen Bevölkerungsanteil. Dennoch war ihnen politische Einflussnahme lange verweigert. Das von dem spanischen auf den amerikanischen Raum übertragene „Statut zur Blutreinheit“ (Estatuto de limpieza de sangre) verhinderte, dass die indigene und mestizische Bevölkerung öffentliche, politische Positionen einnehmen konnte. So gab es ein sehr ausdifferenziertes Kastensystem, orientiert an rassischen Kategorien. In Anlehnung an die europäische Definition der Nation als eine Art „Volksgemeinschaft“, die aufgrund von ethnischen Kriterien bestimmt wird, wurde im Rahmen der Nationenbildung in Lateinamerika versucht, das Modell einer „gemischten“ Nation, repräsentiert durch die „Mestiz_innen“ zu etablieren. So sprach der mexikanische Intellektuelle und Bildungsminister José Vasconcelos 1925 von „La raza cósmica“ und sah diese als Grundlage einer neuen von Lateinamerika ausgehenden allumfassenden Kultur an. In diesem Sinne wird das Konzept der Mestizaje im Nationenbildungsprozess Mexikos das wichtigstes Element, da es als Grundlage des Modells der Mexicanidad das Nebeneinander von Mythen, Erzählungen und Anekdoten bündeln sollte, um eine kollektive Geschichte zu schaffen, die die nationalstaatliche Autorität wiederherstellen sollte. Die mexikanische Revolution markiert den Beginn einer umfassenden kulturellen Inszenierung eines nationalen Sozialpakts, einer „nationalen Familie“, die eine homogene Verbindung des europäisch-spanischen mit dem indianisch-prä-kolumbianischen Erbe anstrebte (vgl. Baxmann 2007:13f). Neben diesem Entwurf eines kulturellen „Vermischungsprozesses“, als dessen Initiatorin Malinche verstanden wird, gilt sie andererseits in der Abwendung von ihren indigenen Wurzeln als Verräterin der Nation – als Hurenmutter, die ihren Eigennutz über das Wohl ihres Volkes stellte. Octavio Paz’ 1950 veröffentlichte Essaysammlung El laberinto de la soledad (Das Labyrinth der Einsamkeit) wurde zum Referenzpunkt in der postrevolutionären Auseinandersetzung Mexikos um kulturelle Identitätsdiskurse.5 Die Eroberung Mexikos versteht Paz als gewaltsamen Akt, als symbolische Vergewaltigung der aztekischen Kultur (neben den unzähligen reellen Vergewaltigungen): „Doña Marina ist zu einer Gestalt geworden, die für alle jene Indiofrauen steht, die von Spaniern verzaubert, verführt, vergewaltigt worden sind“ (Paz 1950/1998:89). Durch den „Sündenfall“ der Mutter Malinche, da sie sich Cortés „freiwillig“ bzw. „passiv“6 hingegeben habe, werde diese zur Verräterin und Verantwortlichen für das nicht verarbeitete Trauma der „Söhne“, der illegitimen Zeugung und Geburt. Dies führe zur massiven Missachtung der Mutter und Überhöhung des Vaters. Malinches Verhalten stehe als Paradigma für weiblichen Verrat und die Identitätsproblematik der Mexikaner_innen. Sie repräsentiere die geschändete Urmutter im Kontrast zur „intakten“ Jungfrau. Die Diskurse um den Begriff Mestizaje geraten mit dem Chicano-Movement7 ab den 1960er Jahren in den USA in Bewegung. Die mexikanisch-amerikanische Bevölkerung konstruierte sich als „imaginierte nationale Gemeinschaft – La Raza –, deren Basis über die gemeinsamen kulturellen und historischen Wurzeln, über die Vision einer ‘bronze people with a bronze culture’ und über die Abgrenzung von ‘Anglo-Amerika’ definiert wurde“ (Pisarz-Ramirez 2005: 209). Die zunächst auf maskuline Privilegien ausgerichtete misogyne Chicano-Kultur mit der weiteren sexualisierten Zuschreibung Malinches als Traductora/Traditora8 wird nach und nach durch das Chicana-Movement durchbrochen. Die Protagonist_innen bieten neue Interpretationen und feministische Umwertungen der Figur Malinche und des Begriffs der Mestizaje:

“What I want is an accounting with all three cultures – white, Mexican, Indian. And if going home is denied me then I will have to stand and claim my space, making a new culture – una cultura mestiza – with my own lumber, my own bricks and mortar and my own feminist architecture” (Anzaldúa 1987/2007:22)

Die doppelte Marginalisierung der Chicanas durch den „als racially different ausgegrenzte[n] mestizische[n] Körper“ (Pisarz-Ramirez 2005: 6) und ihrem Geschlecht, führt zu einer Kombination der Fragen nach racial und gender equality und weist dem Körper einen besonderen Stellenwert als Ort des Widerstandes zugeschriebener Identitäten zu. Er wird als hybrides Produkt verstanden, als Grenzraum, in welchem Differenzen verhandelt werden können:

“[T]he human body, our body, […] is our true site for creation and materia prima. It’s our empty canvas, musical instrument, and open book; our navigation chart and biographical map; the vessel for our ever-changing identities; the centerpiece of the altar […] our body remains the matrix of the piece. Our body is also the very center of our symbolic universe […] and at the same time, a metaphor for the larger sociopolitical body. Our bodies are also occupied territories. Perhaps the ultimate goal of performance, especially if you are a woman, gay, or a person ‘of color’ is to decolonize our bodies and make these decolonizing mechanisms apparent.” (Gómez-Peña 2005: 23f.)

Malinche wird zu einem Ort dieser Verhandlungen.

Inbetween

Die Opfer- bzw. Verräterinnenrolle La Malinches tritt für Tzvetan Todorov und Stephen Greenblatt in Anbetracht ihrer Rolle als Vermittlerin, „[als] das erste Beispiel und damit auch das Symbol für die Vermischung der Kulturen“ (Todorov 1985: 124), in den Hintergrund:

“Doña Marina is at once a figure on the margins and at the center, both an outcast and a great lady […] Object of exchange, agent of communication, model of conversion, the only figure who appears to understand the two cultures, the only person in whom they meet – Doña Marina is a crucial figure in The Conquest of New Spain.” (Greenblatt 1991:142f)9

In den Diskursen der Chicanakultur wird Malinche ebenfalls zur Grenzgängerin, zur „Metapher ihrer eigenen Situation“ (Dröscher 2001:33) als Borderidentity. Gleich den Chicanas spricht auch sie mit Maya, Nahuatl und Castillano, „a language in creation, a language suspended (yes) between English and Spanish“(Pérez-Torres 1998:173). Der Zwischenraum, die Borderlands, in welchen die Chicanas/os verortet sind, wird nicht nur im Hinblick auf geographische Konzepte verstanden, sondern ist u.a. von Gloria Anzaldúa als Ort verhandelbarer, nomadischer Identitäten entworfen worden. Sie stellte somit die auf bipolare Gegensätzlichkeit basierte essentialistische Identitätskonzeption des Chicano-Movement in Frage und etablierte die Kategorie Chicana/o als performatives Konzept. Im Kontext dieser Entwicklungen wird Malinche zu einer Symbolfigur fragmentierter und transkultureller Identität umgewandelt, die die Metanarrativiken der Nationen in Frage stellt und diese dekonstruiert. Sie dient als

“conceptual spring board from which the [Chicanas] address and/or work-out, on the one hand, the inner tensions and contradictions present in their own national and cultural identity, in their role of bridge between two cultures and hyphenated peoples – Mexican and American –, and on the other hand, re-elaborate an image of themselves that challenges, undermines, subverts the masculinist construe or definition of the female image, identity, and sexuality (Birmingham-Pokorny 1996:122).”

In diesem komplexen Spiel von Identität und Differenz, der Revision der Paradigmen um das Eigene und das Fremde, vollzieht Malinche stete Schwellentransformationen und wird so zu einer „Tanzfigur der Uneindeutigkeit“ (Leitner 2009:304).

Literaturverweise

  • Anzaldúa, Gloria: Borderlands/La Frontera. The New Mestiza. San Francisco 1987/2007.
  • Baxmann, Inge: Mayas, Pochos und Chicanos. Die transnationale Nation. München 2007.
  • Birmingham-Pokorny, Elba: La Malinche: A Feminist Perspective on Otherness in Mexican and Chicano Literature. In: Confluencia Vol. II, no. 2. 1996. S.120-136.
  • Díaz del Castillo, Bernal: Historia verdadera de la conquista de la Nueva España [1568]. Hrsg. mit einem Prolog von Francisco Rico. Barcelona 1568/1998.
  • Dröscher, Barbara/ Rincón, Carlos (Hrsg.): La Malinche. Übersetzung, Interkulturalität und Geschlecht. Berlin 2001.
  • Franco, Jean: La Malinche – Vom Geschenk zum Geschlechtervertrag. In: Dröscher/ Rincón. 1992/2001. S. 41-61.
  • Gómez-Peña, Guillermo: Ethno-Techno. Writings on performance, activism and pedagogy. New York/London 2005.
  • Greenblatt, Stephen: Marvelous Possesions. The Wonder of the New World. Chicago 1991. Leitner, Claudia: Der Malinche-Komplex. Conquista, Genus, Genealogien. München 2009.
  • Moraga, Cherríe: Loving in the War Years. Lo que nunca pasó por sus labios. Boston 1983. Paz, Octavio: Das Labyrinth der Einsamkeit. Frankfurt a. M. 1950/1998.
  • Pérez-Torres, Rafael: Chicano Ethnicity, Cultural Hybridity, and the Mestizo Voice. In: American Literature Vol 70, No.1. 1998. S. 153-176. (http://www.jstor.org/stable/2902459)
  • Pisarz-Ramirez, Gabriele: MexAmerica. Genealogien und Analysen postnationaler Diskurse in der kulturellen Produktion von Chicanos/as. Heidelberg 2005.
  • Potthast, Barbara: Von Müttern und Machos. Eine Geschichte der Frauen Lateinamerikas. Wuppertal 2003/2010.
  • Rendón, Arnoldo: The Chicano Manifesto. New York 1971.
  • Rose-Fuggle, Sonia: Bernal Díaz del Castillo frente al otro: Doña Marina, Espejo de Princesas y de Damas. In: Redondo, Augustin: La représentation de l’Autre dans l’éspace ibérique et ibéro-américain. Paris 1991.
  • Todorov, Tzevetan: Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen. Frankfurt a.M. 1985.
  1. Da der Begriff India/o pejorativ konnotiert ist, wird in diesem Artikel das wertneutralere indígenas verwendet, welches keine adäquate Übersetzung im Deutschen besitzt.

  2. Barbara Dröscher stellt das Befremdliche daran heraus, denn „[w]ährend der Mangel an Daten über ihre Vorgeschichte noch aus der Indifferenz gegenüber einer zunächst ja nicht aus ihrem Umfeld hervorgetretenen Frau zu erklären ist, erweckt der Mangel an Daten über den Fortgang ihrer Lebensgeschichte doch Erstaunen, insbesondere angesichts der Tatsache, daß über Marinas Ehemann, Juan Xaramillo, diverse Quellen vorhanden sind. Malinches Spur dagegen verliert sich in Erbstreitigkeiten. Kein Dokument, kein Grabstein, keine Notiz kündet von ihrem Tod. Sie verschwindet spurlos aus der Geschichte“ (Dröscher/Rincón 2001: 23).

  3. Die nicht gesicherte Überlieferung ihrer Herkunft lässt viel Platz für Legendenbildung, dichterische Phantasien und Praktiken im Sinne des Selbstverständnisses der Chronisten. Bernal Diaz del Castillo inszeniert sie als schöne, eloquente und kluge Aztekin vornehmer Abstammung, die verkauft wurde, um die Erbansprüche ihres jüngeren Bruders nicht zu gefährden. Sonia Rose-Fuggle (1991) begreift La Malinche in Díaz del Castillos Bericht sogar als narrativisches Element im Kontext eines nach Art des Ritterromans entworfenen Texts.

  4. Bezeichnend in dieser Episode in der Darstellung der spanischen Chronisten ist die Wiedergabe Malinches in direkter Rede. Sie wird so als Subjekt der Loyalität gegenüber den Konquistadoren inszeniert.

  5. Bereits 1942 veröffentlichte Rubén Salazar Mallén einen Artikel zu dem Malinche-Komplex, welcher allen Mexikaner_innen innewohne und bedeute, dass eine vom Unterbewusstsein gesteuerte Bereitschaft existiere, welche dazu führe dem „Fremden“ Tribut zu zollen und das „Eigene“ zu verachten. Diese Unterwürfigkeit werde durch Malinche symbolisiert und ist bei Salazar Mallén zudem generell eine Eigenschaft indigener Kulturen (vgl. Leitner 2009:180ff).

  6. Nach Octavio Paz bezeichnet das Wort chingar, dass über etwas oder jemanden Gewalt ausgeübt wird. Es sei ein maskulines, aktives Verb, wohingegen das feminine Substantiv la chingada als Passivität in Reinform verstanden wird. Malinche repräsentiere die „wehrlose“ Chingada. Im Gegensatz dazu sei der Macho die Verkörperung des chingón, beispielhaft nennt Paz die spanischen Eroberer.

  7. Das Chicano-Movement formierte sich parallel zu den politischen Bewegungen der 1960er Jahre in den USA und protestierte u.a. gegen Rassendiskriminierung, den Vietnamkrieg, die Lebensbedingungen der Landarbeiter_innen. Im nationalen Diskurs der Chicanas/os wurde das mythische Homeland der Azteken Atzlán zum Symbol, welches auf den gemeinsamen (sowohl kulturellen wie auch geographischen) Ursprung verweist und das Konzept der Mestizaje mit politischen und kulturellen Forderungen vermengt. Diese homogenisierte kollektive Identität, die auf binären Identitätskonstruktionen fußte, wurde erst durch das Chicana-Movement in Frage gestellt.

  8. Als prominentes Beispiel kann hier Armando Rendóns Chicano Manifesto von 1971 zitiert werden: „We Chicanos have our share of malinches, which is what we call traitors to la raza who are of la raza, after the example of an Aztec woman of that name who became Cortés’ concubine under the name of Doña Marina, and served him also as an interpreter and informer against her own people. The malinches are worst characters and more dangerous than the Tío Tacos, the Chicanismo euphemism for an uncle Tom. […] In services of the gringo, malinches attack [their] own brothers, betray our dignity and manhood, cause jealousies and misunderstandings among us, and actually seek to retard the advance of the Chicanos, if it benefits them – while the gringo watches“(Rendón 1971: 96f).

  9. Jean Franco kritisiert an den Überlegungen, dass Greenblatt und Todorov den diesem Verhältnis zugrunde liegenden Gewaltakt der Vergewaltigung verschleiern (vgl. Franco 1996/2001:43).

Karolin Reinhold studiert Hispanistik, allg. u. vergl. Literaturwissenschaften und Kommunikations- u. Medienwissenschaften in Leipzig.